6. September 2026

ORGELSPLITTER – Konzert in Hamburg-Veddel

Bei ORGELSPLITTER wird die Orgel nicht ehrfürchtig abgestaubt, sondern klanglich auseinandergenommen. Orgel, Theremin, Querflöte und Saxofon treffen auf verstärkte Resonanzen, veränderte Luftströme und Geräuschmusik. Drei Konzertteile führen vom Duo THE-ORG über Sophia Leitenmayer und Leonie Maltz bis zum kollektiven Orgelsplitter-Spiel. Im Mittelpunkt steht die alte Orgel der Immanuelkirche – gerade weil ihr Abbau bevorsteht und ihre Verwitterung an diesem Abend nicht versteckt, sondern hörbar gemacht wird.
23

Wenn die Orgel den Kirchenraum verlässt

Eine Orgel wirkt zunächst wie ein ziemlich unbewegliches Instrument. Pfeifen, Manuale und Mechanik sitzen fest an ihrem Platz, der Kirchenraum ist gleich mit eingebaut und für den Transport bräuchte es mehr als einen kräftigen Menschen mit Kombi. ORGELSPLITTER interessiert sich jedoch weniger für die äußere Ruhe als für das, was im Inneren strömt. Luft wird gebündelt, umgeleitet und verändert. Theremin, Flöte und Saxofon treffen auf die Orgel, während verstärkte Resonanzen und Geräusche den Klangkörper in den Raum verlängern. Ausgangspunkt ist der bevorstehende Abbau des Instruments. Statt diesen Zustand zu übergehen, macht das Konzert aus der Verwitterung eine künstlerische Versuchsanordnung. Ein Abschied klingt hier nicht nach Schlussakkord, sondern nach Material, das bereits seine nächste Form sucht.
Darauf könnt ihr euch freuen

Die Highlights

Die wichtigsten Gründe, warum sich diese Veranstaltung für euren Hamburg-Besuch lohnt.

  • Dreiteiliger Konzertabend zwischen Improvisation, Noise und Klanginstallation
  • THE-ORG mit Kerstin Petersen an der Orgel und Andrew Levine am Theremin
  • Sophia Leitenmayer und Leonie Maltz mit Querflöte, Saxofon, Orgel und Effekten
  • Kollektives Orgelsplitter-Spiel mit Flöten, Mündern, Rohren und Flaschen
  • Historische Hammer-Orgel von 1954/58 mit 22 Registern

Orgel und Theremin treffen sich in der Luft

Den ersten Teil übernimmt THE-ORG, das Duo aus der Konzertorganistin Kerstin Petersen und dem Thereministen Andrew Levine. Schon die Instrumentenkombination klingt wie eine Versuchsanordnung: Die Orgel schickt Luft durch Pfeifen, das Theremin wird berührungslos über elektromagnetische Felder gespielt. Beide Instrumente können Flächen, Schwebungen und Töne erzeugen, deren Herkunft im Raum nicht sofort eindeutig ist. Petersen und Levine verstehen Orgel und Theremin dabei nicht bloß als Werkzeuge, sondern als zusätzliche Akteure mit eigenen Reaktionen und Widerständen. Das Duo entstand 2025 und bewegt sich zwischen Improvisation, Neuer Musik und elektronischer Klangforschung. Mal steigt der Ton aus erstaunlicher Tiefe auf, mal hängt er scheinbar frei über den Köpfen. Ein fester Händedruck zur Begrüßung wäre beim Theremin ohnehin unpraktisch.

Flöte, Saxofon und verstärkte Resonanzkörper

Danach übernehmen Sophia Leitenmayer und Leonie Maltz mit Querflöte, Saxofon und Orgel. Sie verstärken ihre Instrumente als Resonanzkörper und improvisieren im Umfeld von Noise, Geräuschmusik und Soundinstallation. Dadurch wird nicht nur der gespielte Ton wichtig. Atem, Klappen, Reibung, Luft und das Mitschwingen des Materials rücken ebenfalls nach vorn. Ein Saxofon darf hier rauschen, eine Flöte muss nicht immer flöten, und die Orgel wird zur Partnerin in einem Geflecht aus akustischen und verstärkten Signalen. Das Ergebnis dürfte weniger einem sauber abgeschlossenen Musikstück folgen als einer Klanglandschaft, die sich im Kirchenraum entwickelt. Wer auf eine bekannte Melodie wartet, kann das selbstverständlich tun. Die Geräusche werden sich davon vermutlich nicht einschüchtern lassen.
23

Die Orgel wird in ihre Bestandteile zerlegt

Im dritten Teil weitet sich das Konzert zum kollektiven Orgelsplitter-Spiel aus. Musikerinnen, Musiker und weitere Gäste untersuchen die Orgel als Organismus aus Wind, Röhren, Flaschen, Mündern, Pfeifen und miteinander gekoppelten Einzelteilen. Luftströme werden verändert, gebündelt oder umgeleitet. Dadurch entstehen Klangtransformationen, die sich nur teilweise kontrollieren lassen. Die offene Komposition folgt der Idee eines Orgel-Mensch-Morphs: Mensch und Instrument bilden vorübergehend ein gemeinsames, etwas unberechenbares System. Hintergrund ist der angekündigte Abbau der Orgel im kommenden Jahr. Ihr verwitterter Zustand wird nicht als Mangel versteckt, sondern als Moment einer fortlaufenden materiellen Veränderung ernst genommen. Gewürdigt wird also kein perfekt konserviertes Denkmal, sondern ein Instrument mitten in seiner eigenen Geschichte.
24
Mick von Hamburg Tourist.info
Persönlich empfohlen

Micks Insider-Tipp

Setzt euch nicht automatisch möglichst weit nach vorn. Bei Theremin, Orgelpfeifen, Saxofon und Klängen, die ausdrücklich in den Raum hineinwachsen sollen, kann ein Platz mit etwas Abstand spannender sein. Von dort hört ihr besser, wie Töne zwischen Empore, Wänden und Kirchenschiff wandern. Und erschreckt nicht, wenn ihr zwischendurch nicht sicher sagen könnt, welches Instrument gerade arbeitet. Genau dort beginnt dieser Abend vermutlich erst, interessant zu werden.
Hamburg erleben

Plant euren Besuch

Entdeckt weitere Veranstaltungen und plant euren Hamburg-Besuch.