Ein Friedhof so groß wie ein eigener Stadtteil
Gartenkunst, Gedenkorte und Hamburger Geschichte auf 389 Hektar
Der Parkfriedhof Ohlsdorf ist Friedhof, Gartendenkmal, Geschichtsbuch und Hamburgs größte Grünanlage zugleich. Zwischen alten Bäumen, Seen, Kapellen und kunstvollen Grabmalen könnt ihr stundenlang unterwegs sein. Dabei bleibt Ohlsdorf ein aktiver Friedhof, an dem Rücksicht wichtiger ist als die perfekte Fotosammlung.

Kurzinfos zur Sehenswürdigkeit
- Bereich
- Hamburg Nord
- Art
- Parkfriedhof, Gartendenkmal, Gedenkort, Parkanlage, Grabmalkunst
- Zeit vor Ort
- 2 bis 4 Stunden, für einen einzelnen Rundgang mindestens 60 bis 90 Minuten
- Eintritt
- Kostenfrei zugänglich
- Gut für
- Gartenkunst, ruhige Spaziergänge, Hamburger Geschichte, Erinnerungskultur, Architektur, respektvolle Fotografie
- Kombinierbar mit
- Museum Friedhof Ohlsdorf, Garten der Frauen, Alsterwanderweg, Ratsmühlenschleuse, Stadtpark Hamburg
389 Hektar passen in keinen kleinen Spaziergang
Am Haupteingang wirkt Ohlsdorf zunächst erstaunlich übersichtlich: ein historisches Verwaltungsgebäude, breite Wege, viel Grün. Dieser Eindruck hält ungefähr so lange, bis ihr auf den Plan schaut. Der Parkfriedhof umfasst 389 Hektar, zwölf Kapellen, mehrere Seen und rund 17 Kilometer befahrbare Straßen. Seit seiner Eröffnung haben hier mehr als 1,4 Millionen Menschen ihre letzte Ruhe gefunden.
Wer ohne Ziel losläuft, findet zuverlässig Ruhe – den geplanten Rückweg möglicherweise etwas später. Zur Orientierung gibt es kostenlose Pläne, vorbereitete Spaziergänge und die Friedhofs-App mit rund 700 eingetragenen Orten. Darunter befinden sich etwa 580 Prominentengräber, Kapellen, Gedenkanlagen, Toiletten, Bushaltestellen und weitere praktische Ziele.
Trotz seiner Größe bleibt Ohlsdorf ein aktiver Friedhof. Trauerfeiern und Beisetzungen gehören zum Alltag. Haltet Abstand zu Trauerzügen, lasst Grabfelder ungestört und behandelt die Anlage nicht wie einen gewöhnlichen Freizeitpark mit ungewöhnlicher Dekoration.

Warum es sich lohnt
Ohlsdorf verbindet Landschaftsarchitektur, Stadtgeschichte und Erinnerungskultur auf eine Weise, die sich nicht in einer einzigen Sehenswürdigkeit zusammenfassen lässt. Ihr könnt wegen der alten Bäume kommen, euch in der Grabmalkunst verlieren oder gezielt Hamburger Persönlichkeiten und Gedenkorte aufsuchen. Gerade weil der Friedhof kein künstlich inszeniertes Besuchsziel ist, wirkt er so stark: Hier stehen Schönheit, Abschied, Natur und Geschichte ganz selbstverständlich nebeneinander.
Die Highlights
- 389 Hektar historische Parklandschaft
- Größter Parkfriedhof der Welt
- Eröffnung am 1. Juli 1877
- Englische Landschaftsgartenkunst von Wilhelm Cordes
- Zwölf Kapellen und mehrere Seen
- Mehr als 1,4 Millionen Beigesetzte seit der Eröffnung
- Rund 700 verzeichnete Orte in der Friedhofs-App
- Prominentengräber, Mausoleen und bedeutende Gedenkstätten
Ein Landschaftsgarten für die Ewigkeit
Der Parkfriedhof wurde am 1. Juli 1877 eröffnet. Sein erster Direktor Wilhelm Cordes wollte keinen endlosen Teppich aus schnurgeraden Grabreihen schaffen, sondern einen romantischen Park nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten. Geschwungene Wege, natürlich wirkende Gewässer, Baumgruppen und bewusst gesetzte Blickachsen sollten einen würdevollen Ort entstehen lassen, der zugleich Bestattungsfläche und öffentlicher Erholungsraum war.
Die Idee war für ihre Zeit außergewöhnlich erfolgreich. Auf der Pariser Weltausstellung von 1900 erhielt die Hamburger Friedhofsanlage einen Grand Prix. Später erweiterte Otto Linne den Friedhof mit einer deutlich geometrischeren Gestaltung. Wenn ihr vom älteren Cordesteil in die später angelegten Bereiche wechselt, lässt sich dieser Unterschied noch heute erkennen: erst romantischer Landschaftspark, dann klarere Räume und geradere Achsen.
Besonders eindrucksvoll wird die Gartenkunst zur Rhododendronblüte sowie im Rosengarten, in dem im Sommer Tausende Rosen blühen. Aber auch an einem grauen Novembertag funktioniert Ohlsdorf. Dann übernimmt eben Hamburg die Farbregie.
Hamburgs Gedächtnis verteilt sich über viele Wege
Ohlsdorf ist die letzte Ruhestätte zahlreicher Persönlichkeiten, die Hamburg wissenschaftlich, kulturell oder politisch geprägt haben. Zu ihnen gehören Hans Albers, Inge Meysel, James Last, Heinrich Hertz, Ida Ehre, Gustaf Gründgens sowie Loki und Helmut Schmidt. Wer gezielt nach einzelnen Gräbern sucht, sollte unbedingt den Plan oder die App nutzen. Berühmte Namen liegen hier nicht automatisch ordentlich nebeneinander, nur weil das für Besucher praktischer wäre.
Noch wichtiger als die Prominentengräber sind die zahlreichen Gedenkanlagen. Das Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung, die internationalen Kriegsgräberstätten und das große Gräberfeld für die Hamburger Bombenopfer erzählen von Verfolgung, Krieg und Zerstörung. Der Garten der Frauen erinnert mit historischen Grabsteinen und Informationstafeln an Frauen, die Hamburgs Geschichte mitgeprägt haben.
Diese Orte sollten nicht hastig zwischen zwei Fotostopps abgearbeitet werden. Nehmt euch lieber einen Bereich bewusst vor. Ohlsdorf erzählt viel, aber selten besonders laut.
So macht ihr mehr daraus
Ladet euch vor dem Besuch die Friedhofs-App herunter und entscheidet euch für einen festen Rundgang. Der grüne Weg rund um Nordteich und Stillen Weg zeigt besonders schön, warum Ohlsdorf auch ein Gartendenkmal ist – 389 Hektar sind schlicht zu viel für „Wir schauen nur kurz“.

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Erlebnis entdeckenHäufige Fragen
Kostet der Besuch des Parkfriedhofs Ohlsdorf Eintritt?
Nein. Der Parkfriedhof ist kostenfrei zugänglich. Für einzelne Führungen, Veranstaltungen oder Museumsangebote können jedoch Gebühren anfallen.
Wann ist der Parkfriedhof Ohlsdorf geöffnet?
Der Friedhof ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet. Die ausgewiesenen Ein- und Nebeneingänge für Fußgänger und Radfahrende sind nach aktuellem Stand täglich von 7:00 bis 21:00 Uhr zugänglich. Für Gebäude, Museum, Café und Beratungsstellen gelten eigene Öffnungszeiten.
Wie komme ich auf dem großen Gelände von A nach B?
Am Haupteingang und an weiteren Informationspunkten erhaltet ihr Friedhofspläne. Zusätzlich hilft die Friedhofs-App bei der Suche nach Kapellen, Gräbern, Gedenkorten, Toiletten und Bushaltestellen. Die Buslinien 170 und 270 verkehren auf dem Gelände und bedienen die Kapellen. Prüft den aktuellen Fahrplan vor eurem Besuch.
Kann ich den Parkfriedhof mit dem Auto befahren?
Ja. Es gibt vier Ein- und Ausfahrten sowie Parkmöglichkeiten an den Kapellen. Auf dem gesamten Gelände gilt Tempo 30. Wenn ihr einem Trauerzug begegnet, müsst ihr anhalten, den Motor abstellen und warten, bis der Zug vorbeigezogen ist.
Was muss ich beim Besuch beachten?
Ohlsdorf ist ein aktiver Friedhof. Verhaltet euch entsprechend ruhig und respektvoll, stört keine Trauerfeiern und betretet keine geschützten Flächen. Private Fotos sind erlaubt, solange andere Besucher und Trauerzüge nicht beeinträchtigt werden. Hunde dürfen mit Ausnahme von Blindenführhunden nicht auf den Friedhof.
Der Parkfriedhof Ohlsdorf ist kein Programmpunkt zum schnellen Abhaken, sondern ein Ort, für den ihr Zeit, einen Plan und etwas Aufmerksamkeit mitbringen solltet. Wer sich auf einen ausgewählten Rundgang konzentriert, entdeckt außergewöhnliche Gartenkunst, eindrucksvolle Gedenkorte und viele Kapitel Hamburger Geschichte – in einer Ruhe, die mitten in der Großstadt fast ein wenig unwirklich erscheint.
Redaktionell geprüft von Hamburg Tourist.info
Dieser Beitrag wurde von Hamburg Tourist.info redaktionell erstellt und geprüft. Die Informationen konzentrieren sich auf die Sehenswürdigkeit selbst, ihre Besonderheiten und ihre Bedeutung für Hamburg.