Ein Bahnhof macht jetzt Verwaltung
Altonas Rathaus trägt noch immer die Länge eines Bahnsteigs – und deutlich mehr Geschichte als die meisten Amtsstuben
Das Altonaer Rathaus war einmal ein Bahnhof. 1844 begann hier die Bahnlinie nach Kiel; heute werden im selben Gebäude Akten bearbeitet, Ehen geschlossen und Bezirkspolitik gemacht. Hamburg hätte einen alten Bahnhof vielleicht abgerissen. Altona machte lieber ein Rathaus daraus. War damals noch selbstständig.

Kurzinfos zur Sehenswürdigkeit
- Bereich
- Hamburg West
- Art
- Rathaus, Baudenkmal und ehemaliger Bahnhof
- Zeit vor Ort
- 30 bis 60 Minuten
- Eintritt
- Der Außenbereich ist kostenlos; Innenzugang richtet sich nach Behördenbetrieb und öffentlichen Terminen.
- Gut für
- Architektur, Altona-Geschichte und Stadtspaziergänge
- Kombinierbar mit
- dem Platz der Republik, dem Altonaer Balkon oder dem Altonaer Museum
Von der Ostseebahn an den Schreibtisch
1844 wurde hier der Endbahnhof der Altona-Kieler Eisenbahn eröffnet. Altona gehörte damals zum dänischen Gesamtstaat und bekam mit der Strecke eine schnelle Verbindung zwischen Elbe und Ostsee. Als der Bahnhof später rund 500 Meter nach Norden zog, blieb das Gebäude stehen und wechselte den Beruf. Der Umbau begann 1891, 1898 wurde das Rathaus eingeweiht. Wiederverwendung hieß damals nur noch nicht so.

Warum es sich lohnt
Weil die Fassade gleich mehrere Kapitel Altona erzählt: dänische Vergangenheit, Eisenbahnboom, eigenständige Stadt und heutiger Hamburger Bezirk. Sobald ihr wisst, dass hier einmal Züge hielten, wirkt die ungewöhnliche Länge des Hauses plötzlich sehr vernünftig. Für ein Rathaus ist das beinahe verdächtig.
Die Highlights
- Ehemaliger Endbahnhof der Altona-Kieler Eisenbahn
- Bahnhofsgebäude von 1844
- Seit 1898 Rathaus von Altona
- Giebelreliefs von Ernst Barlach und Carl Gabers
- Historischer Kollegiensaal mit Gemälden von Ludwig Dettmann
- Heute Bezirksamt und beliebtes Standesamt
Die Fassade kennt zwei Berufsleben
Schaut euch das Rathaus zuerst vom Platz der Republik an. Die lange helle Fassade verrät noch die Dimensionen des früheren Bahnhofs, auch wenn heute keine Lok mehr davor wartet. Geht anschließend westlich durch die Betty-Levi-Passage zur Rückseite und weiter zum Altonaer Balkon. So wechselt die Kulisse innerhalb weniger Minuten von Verwaltung zu Hafen – ohne dass ihr dafür einen Fahrplan braucht.

Kein Museum. Die Verwaltung arbeitet.
Das Rathaus ist Sitz des Bezirksamts Altona und zugleich Standesamt. Die Innenräume könnt ihr deshalb nicht wie ein Museum frei besichtigen. Der Kollegiensaal wird unter anderem für Sitzungen der Bezirksversammlung genutzt; Zugang gibt es nur bei entsprechenden öffentlichen Terminen. Die Fassade, der Platz der Republik und der Weg zum Altonaer Balkon funktionieren dagegen ganz ohne Behördenkontakt.

So macht ihr mehr daraus
Mein Tipp: Startet am Bahnhof Altona und geht über den Platz der Republik zum Rathaus. Ihr lauft damit ungefähr über das Gelände, das nach der Verlegung des alten Bahnhofs frei wurde. Danach nehmt ihr die Betty-Levi-Passage zum Altonaer Balkon. In zehn Minuten bekommt ihr Eisenbahngeschichte, Stadtverwaltung und Hafenblick – Altona war schon immer gut im Zusammenlegen.

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Könnt ihr das Altonaer Rathaus kostenlos ansehen?
Von außen könnt ihr das Rathaus jederzeit kostenlos ansehen. Für die Innenräume gelten der normale Behördenbetrieb und die jeweiligen öffentlichen Termine. Einfach zum Besichtigen hineinspazieren funktioniert daher nicht zuverlässig.
Wie viel Zeit solltet ihr für das Altonaer Rathaus einplanen?
Für Fassade und einen Rundgang um das Gebäude reichen meist 30 bis 60 Minuten. Mit Platz der Republik und Altonaer Balkon wird daraus problemlos eine längere Altona-Runde – der Hafenblick bremst erfahrungsgemäß.
War das Altonaer Rathaus früher wirklich ein Bahnhof?
Ja. Das Gebäude wurde 1844 als Endbahnhof der Altona-Kieler Eisenbahn eröffnet. Der damalige Bahnhof lag bewusst nahe am Hafen und verband den Warenverkehr an der Elbe mit der Ostsee.
Seit wann dient das Gebäude als Rathaus?
Nach der Verlegung des Bahnhofs begannen 1891 die Umbauarbeiten. 1898 wurde das Gebäude als Altonaer Rathaus eingeweiht. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beherbergt es das Bezirksamt Altona.
Womit lässt sich der Besuch gut verbinden?
Direkt vor dem Rathaus liegt der Platz der Republik mit dem Stuhlmannbrunnen. Hinter dem Gebäude erreicht ihr über die Betty-Levi-Passage den Altonaer Balkon; auch das Altonaer Museum liegt in der Nähe. Viel näher kann Stadtgeschichte kaum zusammenrücken.
Das Altonaer Rathaus ist der Beweis, dass Gebäude ihren Beruf wechseln können, ohne ihre Vergangenheit zu verstecken. Erst Bahnhof, dann Rathaus, heute Bezirksamt und Standesamt. Nur Züge fahren hier keine mehr ab. Dafür beginnt hinter dem Haus ziemlich zuverlässig der Hafenblick.
Redaktionell geprüft von Hamburg Tourist.info
Dieser Beitrag wurde von Hamburg Tourist.info redaktionell erstellt und geprüft. Die Informationen konzentrieren sich auf die Sehenswürdigkeit selbst, ihre Besonderheiten und ihre Bedeutung für Hamburg.