Pride begann hier nicht mit einer Parade
Queere Geschichte zwischen Stolpersteinen, Tanzflächen und Widerstand
Auf St. Pauli liegen Stolpersteine, alte Treffpunkte und heutige queere Ausgehkultur nur wenige Straßen auseinander. Die Queertour verbindet ihre Geschichten: von Verfolgung durch § 175 über kreative Schlupflöcher und Widerstand bis zu den Menschen, die das Viertel als Wirt:innen, Künstler:innen und Sexarbeiter:innen geprägt haben. Erzählt wird das von Guides, die selbst auf St. Pauli leben – und zum Schluss steht ein Drink in Hamburgs ältester Schwulenbar auf dem Programm.

Als Tanzen schon Widerstand sein konnte
St. Pauli war lange der Ort für Menschen, die anderswo nicht erwünscht waren. In seinem Hafen- und Vergnügungsviertel entstanden Freiräume, in denen auch gleichgeschlechtliche Paare auf einer Tanzfläche weniger auffielen als innerhalb der bürgerlichen Stadt. Frei war das Leben trotzdem nicht. Die Tour erzählt von der Verfolgung durch den Paragraphen 175 und von den Biografien hinter den Stolpersteinen. Aus Jahreszahlen werden Namen, Wege und Türen. Das ist nicht immer leichte Kost – aber queere Geschichte besteht nun einmal aus deutlich mehr als einer Fahne im Juni.

Warum es sich lohnt
Queere Geschichte wird hier nicht als Sonderkapitel behandelt, sondern als Teil der Geschichte St. Paulis. Ihr seht, wie Verfolgung, Widerstand, Nachtleben und Nachbarschaft miteinander verbunden sind – konkret an Orten und Biografien. Das macht die Tour sowohl für queere Besucher:innen als auch für alle spannend, die den Kiez jenseits seiner üblichen Klischees verstehen möchten.
Die Highlights
- Rund 100 Jahre queere Geschichte auf St. Pauli
- Biografien hinter den Stolpersteinen
- Verfolgung durch den Paragraphen 175
- Kreative Schlupflöcher und Orte des Widerstands
- Queere Wirt:innen, Künstler:innen und Sexarbeiter:innen
- Ausgehkultur von früher bis heute
- Guides aus dem Viertel
- Drink in Hamburgs ältester Schwulenbar
Schlupflöcher, Treffpunkte und ziemlich viel Mut
Wo Regeln Menschen unsichtbar machen wollten, schuf die Community eigene Räume. Bars wurden Treffpunkte, Bühnen wurden Schutzräume und vermeintliche Hinterzimmer zu Orten, an denen man für ein paar Stunden man selbst sein konnte. Die Queertour zeigt, wie queere Menschen in der Sexarbeit, als Wirt:innen und als Künstler:innen St. Pauli mitgestaltet haben und wie sie sich gegen Diskriminierung zur Wehr setzten. Dabei bleibt der Blick nicht in der Vergangenheit hängen. Es geht auch darum, welche queeren Orte bis heute bestehen, was sich verändert hat und warum Sichtbarkeit allein noch keine Sicherheit garantiert.

Der letzte Geschichtsraum hat einen Tresen
Zum Rundgang gehört ein Stopp für einen Drink in Hamburgs ältester Schwulenbar. Das ist kein dekorativer Abschluss, sondern ein Ort, an dem sich viele Linien der Tour treffen: Ausgehen, Zugehörigkeit, Schutz und Öffentlichkeit. Weil die Guides selbst auf St. Pauli wohnen, klingen ihre Geschichten nicht nach auswendig gelerntem Jubiläumsvortrag. Sie erzählen aus einem Viertel, das sie kennen, lieben und auch kritisch betrachten. Danach versteht ihr besser, warum ein Tresen manchmal mehr queere Stadtgeschichte bewahrt als ein ganzer Aktenschrank.

Praktische Infos und Tipps
Praktische Tipps
- Etwa 15 Minuten vor Beginn im St. Pauli Office anmelden
- Bequeme Schuhe tragen – die Geschichte wird zu Fuß erlaufen
- Bei Regen eine wetterfeste Jacke mitbringen
- Fragen zu heutigen queeren Orten und aktuellen Veränderungen ausdrücklich stellen
- Für eine barrierearme Route vorab Kontakt mit dem Anbieter aufnehmen
So macht ihr mehr daraus
Fragt den Guide, welcher queere Ort auf St. Pauli heute am stärksten unter Druck steht. Geschichte endet hier nicht am letzten Stolperstein.

Häufige Fragen
Wann findet die St. Pauli Queertour statt?
Die reguläre Tour startet donnerstags und samstags um 18:30 Uhr. Verfügbare Termine prüft ihr am besten direkt im Buchungskalender.
Wie lange dauert die Queertour und wo beginnt sie?
Der Rundgang dauert ungefähr zwei Stunden und startet im St. Pauli Office, Wohlwillstraße 1. Bitte meldet euch etwa 15 Minuten vor Beginn an der Rezeption an.
Welche Themen behandelt die Tour?
Es geht um die Verfolgung queerer Menschen unter dem Paragraphen 175, Biografien hinter Stolpersteinen, Orte der Begegnung, Widerstand gegen Diskriminierung und die queere Ausgehkultur auf St. Pauli bis heute.
Gehört ein Barbesuch zur Queertour?
Ja. Die Tour stoppt für einen Drink in Hamburgs ältester Schwulenbar. Ob das Getränk im Ticketpreis enthalten ist, weist der Anbieter nicht ausdrücklich aus.
Ist die St. Pauli Queertour barrierefrei?
Viele Bereiche der Route sind gut zugänglich, eine vollständig barrierefreie Führung kann aber nicht pauschal zugesagt werden. Rollstühle sind willkommen; besondere Anforderungen solltet ihr möglichst vorab mit dem Anbieter abstimmen.
Diese Tour erzählt queere Geschichte dort, wo sie stattgefunden hat: zwischen Tanzfläche, Stolperstein, Hinterzimmer und Tresen. Sie ist fundiert, persönlich und gelegentlich unbequem – also ziemlich genau das Gegenteil einer glatten Jubiläumsbroschüre.
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