Zwanzig Namen, die nicht verschwinden dürfen
Ausstellung und Rosengarten am historischen Ort der Morde vom 20. April 1945
In einer ehemaligen Schule in Rothenburgsort erinnert die Gedenkstätte an 20 jüdische Kinder und mindestens 28 Erwachsene, die hier am 20. April 1945 von SS-Männern ermordet wurden. Ausstellung, historischer Tatort und Rosengarten geben den Opfern ihre Namen und Geschichten zurück.

Eine Schule wird zum Tatort
Das Gebäude am Bullenhuser Damm war eine Schule, bevor es 1944 als Außenlager des KZ Neuengamme genutzt wurde. In der Nacht des 20. April 1945 brachten SS-Männer 20 jüdische Kinder, ihre vier Betreuer und weitere Häftlinge hierher. Die Kinder waren zwischen fünf und zwölf Jahre alt. Zuvor hatte der SS-Arzt Kurt Heißmeyer sie im KZ Neuengamme für pseudomedizinische Tuberkuloseversuche missbraucht. Kurz vor Kriegsende wurden sie ermordet, um die Verbrechen zu vertuschen. Die Gedenkstätte befindet sich in dem Gebäude, in dem die Morde geschahen. Das verändert den Besuch. Ihr betrachtet keine Geschichte, die für eine Ausstellung an diesen Ort gebracht wurde. Ihr steht dort, wo sie geschehen ist.

Warum es sich lohnt
Ein Besuch ist wichtig, weil die Gedenkstätte ein Hamburger NS-Verbrechen am historischen Ort sichtbar macht und den Ermordeten ihre Individualität zurückgibt. Die Ausstellung bleibt nicht bei Täterstrukturen und Jahreszahlen stehen. Sie erzählt von Kindern, Familien, Verfolgung und dem langen Weg zur öffentlichen Erinnerung. Dafür braucht es Zeit und Aufmerksamkeit, aber keinen historischen Spezialwortschatz.
Die Highlights
- Historischer Tatort in der ehemaligen Schule am Bullenhuser Damm
- Deutsch- und englischsprachige Dauerausstellung
- Biografien der 20 ermordeten jüdischen Kinder
- Dokumente zu den pseudomedizinischen Experimenten
- Auseinandersetzung mit Tätern und Aufarbeitung nach 1945
- Rosengarten zum Gedenken an die Ermordeten
- Jährlich entstehende Kunstprojekte Hamburger Schulklassen
- Digital Remembrance Game für Jugendliche und junge Erwachsene
Aus Zahlen werden Lebensgeschichten
Die deutsch- und englischsprachige Dauerausstellung erzählt vom Gebäude als Schule und KZ-Außenlager, von den medizinischen Experimenten, den Morden und den Tätern. Im Mittelpunkt stehen jedoch die Ermordeten. Fotografien, Dokumente und Biografien zeigen die Kinder vor ihrer Verfolgung: mit ihren Familien, beim Spielen oder in der Schule. Von einigen sind viele Einzelheiten bekannt, andere Lebensgeschichten bleiben lückenhaft. Auch die Namen der ermordeten sowjetischen Häftlinge konnten bis heute nicht vollständig ermittelt werden. Diese Leerstellen werden nicht überspielt. Sie gehören zur Geschichte des Ortes und zeigen, wie viel durch die Verbrechen und das lange Schweigen nach 1945 verloren ging.

Erinnerung endet nicht im Keller
Die Ausstellung beschreibt auch, wie nach 1945 um die Erinnerung an die Opfer gerungen wurde. Die Schule nahm ihren Betrieb wieder auf, während das Verbrechen lange kaum öffentlich bekannt war. Angehörige, Überlebende und engagierte Hamburgerinnen und Hamburger sorgten dafür, dass recherchiert, erinnert und schließlich 1980 eine Gedenkstätte eröffnet wurde. Hinter dem Gebäude liegt der Rosengarten. Dort können Rosen zum Gedenken an die Ermordeten gepflanzt werden. Eine Bronzeplastik erinnert an die sowjetischen Häftlinge. Jährliche Kunstprojekte von Schulklassen setzen die Auseinandersetzung fort. Der Ort bleibt dadurch nicht in der Vergangenheit stehen. Er stellt auch heute die Frage, was Erinnern praktisch bedeutet.

So macht ihr mehr daraus
Nehmt euch zuerst eine einzelne Biografie vor und folgt dieser Geschichte durch die Ausstellung. Die Zahl der Opfer ist wichtig, kann aber Abstand schaffen. Ein Name, ein Familienfoto und ein bekanntes Lebensdetail verändern den Blick. Geht anschließend in den Rosengarten und lest dort die Inschrift. Der Besuch bekommt so einen Anfang und ein Ende, ohne dass ihr das Geschehene vorschnell abschließt.

Häufige Fragen
Wann ist die Gedenkstätte Bullenhuser Damm geöffnet?
Die Gedenkstätte ist sonntags von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Gruppen können Führungen für andere Zeiten vereinbaren. Der Rosengarten ist jederzeit zugänglich. Am 24. und 25. Dezember sowie an Silvester und Neujahr bleibt die Gedenkstätte geschlossen.
Kostet der Besuch Eintritt?
Nein. Der Besuch der Dauerausstellung und des Rosengartens ist kostenlos. Auch viele öffentliche Führungen werden kostenfrei angeboten. Für besondere Bildungsformate oder Workshops können eigene Bedingungen gelten.
Was ist in der Gedenkstätte zu sehen?
Die Dauerausstellung informiert über die ehemalige Schule, das KZ-Außenlager, die pseudomedizinischen Experimente, die Ermordeten, die Täter und den Umgang mit dem Verbrechen nach 1945. Zum Gedenkort gehören außerdem die historischen Taträume und der Rosengarten.
Ist die Gedenkstätte für Kinder geeignet?
Das Thema ist schwer und für jüngere Kinder nur bedingt geeignet. Eine verbindliche Altersgrenze nennt die Gedenkstätte nicht. Das begleitende Digital Remembrance Game richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse, mit einem Schwerpunkt auf den Klassenstufen 9 und 10.
Können Gruppen eine Führung vereinbaren?
Ja. Gruppenführungen sind nach Vereinbarung auch außerhalb der regulären Sonntagsöffnung möglich. Workshops mit dem Digital Remembrance Game können über den Museumsdienst Hamburg angefragt werden. Öffentliche Führungen stehen im Veranstaltungskalender der Gedenkstätte.
Die Gedenkstätte Bullenhuser Damm ist kein Ort für einen beiläufigen Programmpunkt. Sie verlangt Aufmerksamkeit und Zeit. Wer sich darauf einlässt, begegnet nicht nur einem Verbrechen der letzten Kriegstage, sondern den Namen, Gesichtern und Familien der Ermordeten. Gerade darin liegt die Bedeutung dieses stillen Hamburger Erinnerungsortes.