Die Elbphilharmonie endlich hören
Konzerte im Großen und Kleinen Saal hoch über der Elbe
Schon die Fahrt über die gebogene Rolltreppe nimmt Hamburg für einen Moment aus dem Blick. Oben führt der Weg über die Plaza in die Foyers und schließlich in einen der beiden Säle. Im Großen Saal sitzt das Publikum terrassenförmig um die Bühne, im Kleinen Saal rückt die Musik näher zusammen. Die Elbphilharmonie ist eben nicht nur die berühmte Hülle, sondern ein Haus, das vor allem gehört werden will.

Der Konzertabend beginnt schon vor dem Saal
Der Konzertabend beginnt nicht mit dem ersten Ton, sondern mit einer ziemlich langen Kurve. Die Tube, jene gebogene Rolltreppe vom Eingang zur Plaza, lässt den Alltag langsam hinter sich verschwinden. Danach folgen Hafenlicht, Stadtpanorama und die Foyers, die sich in mehreren Ebenen um den Großen Saal legen. Wer ein Konzertticket für den Großen oder Kleinen Saal hat, darf die Plaza bereits zwei Stunden vor Beginn betreten. Es lohnt sich, diese Zeit nicht als lästigen Vorlauf zu behandeln. In kaum einem anderen Konzerthaus gehört der Weg zum Platz so deutlich zum Abend dazu. Spätestens im Saal wechselt die Aufmerksamkeit dann vom Gebäude zur Bühne. Und genau dort zeigt sich, ob ihr die Elbphilharmonie nur gesehen oder tatsächlich erlebt habt.

Warum es sich lohnt
Weil Architektur und Musik hier nicht nacheinander abgearbeitet werden, sondern denselben Abend bestimmen. Ihr erlebt den Hafen aus großer Höhe, nehmt den ungewöhnlichen Weg durch das Haus und hört anschließend einen Saal, in dem selbst kleine klangliche Details bemerkenswert nah wirken können. Die Elbphilharmonie lohnt sich deshalb auch für Menschen, die sonst selten ins Konzert gehen – vorausgesetzt, sie wählen das Programm nach ihrer Neugier und nicht nur nach dem berühmten Dach.
Die Highlights
- Großer Saal mit 2.100 terrassenförmig angeordneten Plätzen
- Kleiner Saal mit bis zu 550 Plätzen und großer Nähe zur Bühne
- Zentral gelegene Bühne nach dem Weinbergprinzip
- „Weiße Haut“ aus rund 10.000 individuell gefrästen Akustikplatten
- Plaza-Zutritt mit Konzertkarte bereits zwei Stunden vor Beginn
- Foyers mit Ausblicken über Hafen, Elbe und Innenstadt
- Programm von Orchesterkonzerten bis Jazz und Familienformaten
- Rollstuhlplätze und barrierefreie Wege in beiden Konzertsälen
2.100 Plätze und kein ferner letzter Rang
Im Großen Saal sitzt niemand weiter als rund 30 Meter vom Dirigenten entfernt. Das liegt am Weinbergprinzip: 2.100 Plätze steigen in Terrassen um die zentral gelegene Bühne an. Über allem hängt der große Schallreflektor, an den Wänden verteilt die „Weiße Haut“ den Klang mit rund 10.000 individuell gefrästen Gipsfaserplatten bis in die oberen Ränge. Das macht den Raum unmittelbar, aber nicht gefällig. Leises wird sehr leise hörbar, Präzision belohnt und gelegentlich auch eingefordert. Der Kleine Saal arbeitet anders. Bis zu 550 Plätze, klassische Schuhkartonform, flexiblere Bestuhlung und deutlich mehr Nähe eignen sich besonders für Kammermusik, Liederabende, Jazz und kleinere Formate. Groß ist hier also keine Wertung, sondern zunächst eine Frage des Grundrisses.
Mehr als große Orchester
Das Programm ist breiter, als das Postkartenmotiv vermuten lässt. Neben großen Orchesterkonzerten stehen Kammermusik, Soloabende, Jazz, Weltmusik, elektronische Formate sowie Kinder- und Familienkonzerte im Kalender. Veranstaltet wird nicht alles von einem einzigen Haus: HamburgMusik, das NDR Elbphilharmonie Orchester und weitere Veranstalter bringen jeweils eigene Reihen, Preise und Buchungswege mit. Deshalb lohnt sich vor der Auswahl ein genauer Blick in den Kalender – nicht jedes Konzert passt zu jedem Abend und nicht jeder freie Platz ist akustisch oder optisch gleich. Eine Plaza-Besichtigung zeigt euch die Architektur. Eine Führung erklärt das Gebäude. Erst ein Konzert macht verständlich, warum dieser Bau überhaupt ein Konzerthaus geworden ist.
So macht ihr mehr daraus
Mein Tipp: Sucht euch zuerst ein Konzert aus und erst danach den möglichst spektakulären Sitzplatz. Im Großen Saal kann ein seitlicher oder höherer Rang optisch ungewohnt sein, musikalisch aber sehr spannend wirken. Kommt so früh, dass noch Zeit für eine Runde über die Plaza und ein Getränk im Foyer bleibt. Dreißig Minuten vor Beginn solltet ihr spätestens am Haupteingang sein. Wer zu spät kommt, lernt sonst vor allem die Akustik der geschlossenen Saaltür kennen.

Häufige Fragen
Welches Konzert eignet sich für den ersten Besuch in der Elbphilharmonie?
Für ein erstes Konzert eignen sich Programme mit bekannten Werken, kürzerer Dauer oder einer Einführung besonders gut. Entscheidend ist weniger das Etikett „Klassik“ als eure Neugier. Der Große Saal bietet das monumentale Raumerlebnis, der Kleine Saal mehr Nähe zu den Musikerinnen und Musikern.
Ist der Plaza-Zutritt in der Konzertkarte enthalten?
Ja. Konzertkarten für den Großen und Kleinen Saal berechtigen ab zwei Stunden vor Konzertbeginn zum Plaza-Zutritt. Die Foyers öffnen in der Regel 60 Minuten vorher, bei Konzerten mit Einführung 90 Minuten vorher.
Wie früh sollte man vor einem Konzert an der Elbphilharmonie sein?
Mindestens 30 Minuten vor Beginn solltet ihr am Haupteingang sein. Für Plaza, Aussicht oder einen Foyerbesuch plant ihr besser deutlich mehr Zeit ein. Ein verspäteter Einlass in den Saal kann nicht garantiert werden und erfolgt, wenn überhaupt, nur an geeigneter Stelle im Programm.
Ist ein Konzertbesuch in der Elbphilharmonie barrierefrei möglich?
Das Haus ist barrierefrei erschlossen und beide Säle verfügen über Rollstuhlplätze. Im Großen Saal können je nach normalem Sitzplatz dennoch Stufen liegen. Geeignete Plätze und Unterstützung sollten deshalb direkt bei der Buchung angegeben werden; Führ- und Assistenzhunde ebenfalls.
Dürfen Kinder mit in ein Konzert der Elbphilharmonie?
Kinder brauchen unabhängig vom Alter eine eigene Eintrittskarte. Für reguläre Konzerte empfiehlt das Haus ein Mindestalter von fünf Jahren. Zusätzlich gibt es eigens konzipierte Kinder- und Familienkonzerte, die für den Einstieg meist die bessere Wahl sind.
Die Elbphilharmonie kann man besichtigen, fotografieren und von der Plaza aus abhaken. Als Konzerthaus beginnt sie jedoch erst hinter den Saaltüren. Wer das Programm mit etwas Sorgfalt auswählt, genügend Zeit für den Weg nach oben einplant und sich auf die besondere Sitzordnung einlässt, bekommt mehr als eine berühmte Hamburger Adresse: einen Konzertabend, bei dem Raum, Aussicht und Klang einander tatsächlich etwas zu sagen haben.