Draußen Hauptbahnhof, drinnen große Bühne
Neobarockes Theaterhaus von 1900 mit einer der größten Sprechbühnen im deutschsprachigen Raum
Vor der Tür rollen Koffer über den Asphalt, drinnen wartet roter Samt auf seinen Auftritt. Das Deutsche Schauspielhaus ist groß, prächtig und erfreulich wenig eingeschüchtert von der eigenen Geschichte. Wenn im Saal das Licht ausgeht, verschwinden selbst Kirchenallee und Hauptbahnhof für ein paar Stunden. Das schaffen in dieser Gegend sonst nur sehr verspätete Züge.

Hamburger Kaufleute wollten nicht kleckern
84 überwiegend Hamburger Kaufleute und Finanziers gründeten 1899 eine Aktiengesellschaft, um der Stadt endlich eine repräsentative Schauspielbühne zu bauen. Die Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer lieferten ein neobarockes Haus nach großem Vorbild. Zur Eröffnung 1900 bot der Saal 1.831 Menschen Platz und war damit größer als manches Opernhaus. Hamburger Selbstbewusstsein trat damals offenbar bevorzugt in Übergröße auf.

Warum es sich lohnt
Dieser Saal kann schon vor dem ersten gesprochenen Satz Eindruck machen. Die Größe, die Ränge und das gespannte Gemurmel kurz vor Beginn gehören zum Erlebnis genauso wie das Geschehen auf der Bühne. Wer Theater bislang für eine etwas steife Abendbeschäftigung hielt, kann hier erleben, wie unmittelbar, laut, unbequem und sehr lebendig Schauspiel sein kann.
Die Highlights
- Eines der größten Sprechtheater im deutschsprachigen Raum
- Neobarockes Theatergebäude von 1900
- Großer historischer Zuschauerraum mit mehreren Rängen
- MalerSaal als kleinere Experimentalbühne
- Hausführungen bis in Kostümfundus, Maske und Malsalon
- Hörverstärkungsanlage auf fast allen Plätzen
- Kostenlose Garderobe
- TheaterKeller, Kantine und Pausengastronomie im Haus
Ein Haus mit Brüchen statt Hochglanzbiografie
Die Geschichte des Schauspielhauses verlief keineswegs nur zwischen Premierenfeier und Schlussapplaus. Das Haus erlebte wirtschaftliche Krisen, nationalsozialistische Gleichschaltung, Kriegsschäden und wechselnde künstlerische Richtungen. Eine eigene Luftschutzwache bewahrte das Gebäude vor der Zerstörung. In den 1980er-Jahren wurden Foyer und Zuschauerraum restauriert und viel vom ursprünglichen neobarocken Charakter zurückgeholt.

Mehr als ein ziemlich großer Saal
Zum Haus gehören unterschiedliche Bühnen und Räume. Der MalerSaal entstand 1971 aus einer ehemaligen Kulissenwerkstatt und wurde zur Spielwiese für experimentellere Formen. RangFoyer, MarmorSaal und Kantine bringen Theater an kleinere, manchmal überraschende Orte. Bei Hausführungen geht es noch weiter: auf die Bühne, in den Kostümfundus, zur Maske und hinauf in den Malsalon. Theater entsteht schließlich selten nur dort, wo später geklatscht wird.

So macht ihr mehr daraus
Huscht nicht direkt vom Hauptbahnhof auf euren Sitz. Nehmt euch zehn Minuten für Treppen, Foyer und Publikum. In einem großen Theater beginnt die Vorstellung nämlich lange vor dem Vorhang: Menschen suchen Plätze, begrüßen Bekannte, tragen Getränke erstaunlich vorsichtig über Teppiche und versuchen, dabei vollkommen souverän auszusehen. Kostenloses Vorprogramm, jeden Abend neu besetzt.

Häufige Fragen
Welche Spielstätten gehören zum Deutschen Schauspielhaus?
An der Kirchenallee befinden sich das große SchauSpielHaus, der MalerSaal sowie kleinere Spielorte wie RangFoyer, MarmorSaal und Kantine. Das Junge SchauSpielHaus besitzt einen eigenen Standort am Wiesendamm in Barmbek.
Kann ich das Schauspielhaus ohne Vorstellungsbesuch kennenlernen?
Ja. Bei öffentlichen Hausführungen könnt ihr unter anderem die Bühne, den Kostümfundus, die Maskenwerkstatt und den Malsalon besichtigen. Die Termine werden im Spielplan veröffentlicht. Geschlossene Gruppen können Führungen gesondert anfragen.
Gibt es günstige Eintrittskarten?
Ja. Schüler, Studierende, Auszubildende und weitere Ermäßigungsberechtigte erhalten bei fast allen Vorstellungen Karten für 9 €, solange der Vorrat reicht. Außerdem gibt es gekennzeichnete SuperSpartage mit 50 Prozent Ermäßigung und Rabatte für Gruppen ab zehn Personen.
Welche Unterstützung gibt es für Gäste mit Hörbeeinträchtigung?
Im großen SchauSpielHaus steht eine Hörverstärkungsanlage zur Verfügung. Der Ton kann über die App „Sennheiser MobileConnect“ empfangen werden. Zusätzlich verleiht das Haus iPods und Kopfhörer. Eine Beratung vor dem Kartenkauf ist empfehlenswert.
Was passiert, wenn ich zu spät komme?
Das Einlasspersonal versucht, verspätete Gäste zu einem geeigneten Zeitpunkt in den Saal zu führen. Je nach Inszenierung ist das jedoch erst in der Pause möglich. In einzelnen Fällen gibt es überhaupt keinen Nacheinlass. Pünktlichkeit ist hier weniger Tugend als Eintrittsvoraussetzung.
Das Deutsche Schauspielhaus ist kein Gebäude, das sich dezent im Hintergrund hält. Es besitzt Größe, Patina und genügend Geschichte für mehrere sehr lange Pausengespräche. Trotzdem wirkt es nicht wie ein konserviertes Theaterdenkmal. Auf den unterschiedlichen Bühnen darf weiterhin gestritten, experimentiert und gelegentlich alles auf links gedreht werden. Genau deshalb passt dieses prächtige Haus erstaunlich gut zu Hamburg.
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